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Ein Ball in Retrospektive

Erschöpfung. Anstrengung. Mühsal. Nur einige, der vielen ambivalenten Emotionen, die wir als Gruppe oftmals empfunden haben. Die Polonaise will nicht auf Anhieb, wie von Zauberhand, selbst übers Parkett schlittern, die Planung erscheint wie in einer Sackgasse, die Mitternachtseinlage – wohl eher ein Mitternachtsalbtraum. Es ist heiß im Proberaum, man sitzt verdrossen da und ist sich unsicher.

Unsicher, wie denn eine Veranstaltung dieses Ausmaßes erfolgen soll. Unsicher, wie denn diese umfangreichen Choreografien von uns Laien abgeliefert werden sollten. Unsicher, wie denn wir Schülerinnen und Schüler einen komplexen Ball managen sollen.

Ein lautes Klatschen, als würde ein Glas am Boden zerschellen. „So! Weiter geht`s“, meint Frau Mackh. Gerade als wir dachten, von Ruhm und Glanz sei wenig über. Nächste Runde!

Und da war er. Wir nähern uns dem edlen Gebäude, es funkeln kleine, bunte Leuchten von außen. Wunderbarer Prunk. Durch die Glastür, durch die nobel eingerichteten Innenräume. Vorbei an den Tischen, vorbei an den liebevoll dekorierten Räumlichkeiten.

Dann. Die letzten Vorbereitungen. 19:30 Uhr – die Polonaise beginnt.

Makellos und fehlerfrei tanzen wir durch den Ballroom und werden mit tosendem Applaus belohnt. Was für eine Anerkennung! Da stehen wir nun, alle gemeinsam vor all den strahlenden Gesichtern, den stolzen Eltern, den glücklichen Großeltern, den erleichterten Geschwistern und den euphorischen Freunden. Alle sind sie hier, um uns einen Abend zu widmen, mit uns zu feiern. Humoristische Reden läuten den weiteren Verlauf des Abends ein, auch Herr Direktor Omann tut seinen Dank kund, ebenso Herr Genser. Wir genießen den Moment, unglaubliche Erleichterung überkommt uns. Eine Last, die uns von den Schultern fällt.

Nun dürfen wir aber erstmals den Ball in all seiner Pracht, all seinen Farben und Facetten bewundern. Der große Andrang bestärkt uns. Kleine Nonnen-Bildchen an den jeweiligen Tischen, Kinderbilder auf den Foto-Bildschirmen und prachtvolle Blumenarrangements zieren das Ambiente. Am lauten Lachen, an klirrenden Gläsern und an entspannten Besuchern konnte man sich im Foyer erfreuen – genau so, wie wir es uns ausgemalt haben.

Nach kurzem Verschnaufen - die nächste bewältigbare Hürde, die Mitternachtseinlage. Nun, es wäre eine schlichte Lüge zu sagen, dass der Sprung ins kalte Wasser im Vorfeld entspannt und ruhig von statten gegangen wäre. Letztes Herumirren, das flotte Anziehen der Nonnenkostüme und ein tiefes Durchatmen… Manege frei!

In einer fulminanten Wandlung, vom oftmals eintönigen Nonnendasein hin zum ausgelassenen Tanzen, wird die Mitternachtseinlage präsentiert. Ohne Hemmung, voller Leidenschaft, uneingeschränkte Hingabe.

Hier endet ein Weg, hier wird ein Meilenstein markiert. Endlich beginnt auch für uns der Ballabend, keine weiteren Aufgaben. Endlich die Chance, die Nacht der Nächte als Besucherin oder Besucher und nicht als Unterhalterin oder Unterhalter zu erleben. Sei es das wortgewandte Parlieren von Frau Professor Odrei in Spanisch oder Italienisch, sei es das erste Anstoßen mit Frau Professor Peterl. Das eine oder andere Gläschen haben wir uns redlich verdient, wir feiern und zelebrieren unseren Moment. Das Ende einer Ära, der Anfang vom Ende? 

Es ist bemerkenswert, wie nahe Erleichterung und Panik, Euphorie und Furcht, Freude und Einschüchterung aneinander liegen können, ein Steinwurf voneinander entfernt. Monatelang probt, übt, setzt man sich ein und opfert einen beachtlichen Teil seiner Freizeit für diesen himmlischen Moment. Man mag sich fragen: Ist es das überhaupt wert? Die Zeit, das Herzblut, der immense Aufwand? Die Antwort ist: Ja! In jeder Hinsicht. Die unbezahlbare Freude, die unvergesslichen Augenblicke, die Bestätigung, die man erfährt. Ein Tag wie kein anderer. All der Stress, vom Friseur ab nach Velden, wie weggeblasen. Und so tanzen wir uns durch den Abend.

All das ist nur möglich gewesen, aufgrund penibel einstudierter Tanzschritte, detaillierter Planung und kollektiven Zusammenhalts. Die uneingeschränkte Devotion und das Herzblut des gesamten Lehrkörpers, allen voran Frau Professor Peterl und Frau Professor Scheriau. Auf allen Ebenen trafen wir auf offene Ohren, wir erlebten totale Freiheit zu gestalten, uns einzubringen, uns zu entfalten. Ohne diesen Schulterschluss wäre es schlicht unmöglich gewesen, eine Ballnacht dieser Qualität auf die Beine zu stellen. Wir haben all das stolz bewältigt. Gemeinsam.

Michael Maier 8B